Gedanken zum Film
Friday, November 30th, 2007Von Drehbuchautor Maximilian Junghanß.

Bildgestaltung von Kersten Hanke.
Ein kleines Dorf irgendwo in Afrika: Jeder geht seinem Tagesgeschäft nach. Alle sind heute einigermaßen glücklich, denn sie haben genug zu essen. Vor drei Tagen war eine Lieferung Lebensmittel der UN Hilfskräfte gekommen. Plötzlich vernimmt man Lärm aus dem Süden. Man kann schon eine Staubwolke sehen und jeder in dem kleinen Dorf gerät in Angst. Als die verrosteten Jeeps und Transporter den Dorfplatz erreichen springen von den Ladeflächen schwer bewaffnete Rebellen herunter. Sie bedrohen die Dorfbewohner und machen sich einen Spaß daraus sie zu erniedrigen. Ein Mann aus dem Dorf hatte nicht alle seine Lebensmittel zum Dorfplatz gebracht, um ein wenig für seine Familie zu behalten und so vielleicht bis zur nächsten Hilfslieferung überleben zu können. Leider finden die Rebellen seine Vorräte und schlagen ihn, bis er von ihnen umzingelt und im Gesicht blutend auf den Knien um Gnade fleht. Es wird ihm kaltblütig in den Rücken geschossen. Der Anführer der Rebellen lacht laut heraus, als der „dreckige Bastard“ tot nach vorne kippt. Hinter dem Toten steht ein kleiner Junge von vielleicht 12 Jahren mit einer noch rauchenden AK-47 in den Händen. Er musste seine ganze Kraft aufbringen um das schwere Gewehr nicht fallen zu lassen als er abdrückte um dem wehrlosen Familienvater in den Rücken zu schießen.
Bei einer solchen Szenerie denkt man nur: Unvorstellbar!
Unvorstellbar?, leider Gottes eher traurige Realität, nicht nur in den ärmsten Ländern Afrikas, sondern auf der ganzen Welt. Für Menschen in Mitteleuropa, in den Industriestaaten, denen es gut geht und die nur einen einzigen täglichen Kampf, den gegen die stetig steigenden Ölpreise, kennen ist es tatsächlich unbegreiflich, wie kleine Kinder einfach so einen Menschen umbringen können. Es sind doch genau solche Kinder wie die, die bei ihnen vorm Haus auf dem Spielplatz spielen und gelegentlich weinend zu Mama gerannt kommen, weil ihnen ein größeres Kind den Ball weggenommen hat. Sind das wirklich die gleichen Kinder? Würden „unsere“ Kinder auch so etwas tun, wenn sie unter anderen Verhältnissen aufwachsen würden? Würden diese Kinder dort vielleicht auch lieber in die Schule gehen und Fußball spielen anstatt Menschen zu erschießen?
Wir beschäftigen uns nicht gerne mit solchen Fragen, weil sie uns so viel Angst machen und uns diese Probleme außerdem so weit weg vorkommen. Genau diese Problematik wird in „Sinfonie eines Krieges“ aufgegriffen. Dieser Film macht klar, dass die friedlichen Zeiten in denen wir derzeit leben nicht dauerhaft sein müssen. Was wäre wenn es eines Tages doch zum dritten Weltkrieg kommt? Was wenn uns hier in unserem Europa, wie wir es kennen, plötzlich wieder Panzer auf den Straßen begegnen. Was wenn wir uns plötzlich verstecken müssen, wenn wir nicht mehr in den Supermarkt gehen können und einfach alles was wir zum Leben brauchen in ein paar Läden um die Ecke kaufen können.
Und was wäre danach?
Sicherlich kann sich jeder ein Bild davon machen wie Krieg aussieht, manch einer hat es möglicherweise auch schon erlebt. Aber können wir uns vorstellen wie es ist, im Krieg zu LEBEN? Eine Frau oder einen Mann kennen zu lernen, eine Familie zu gründen und Kinder großziehen? Was passiert da mit einem Menschen? Wie empfindet er? Wie verhält er sich anderen gegenüber?
Der Hauptcharakter in Volker Kintzingers Film, Tom, ist im Krieg aufgewachsen, sowie die meisten Menschen um ihn herum auch, doch im Gegensatz zu den Anderen macht er sich Gedanken um die Bedeutung des Krieges. Es wird deutlich, dass fast alle Menschen irgendwann aufgehört haben darüber nachzudenken, was sie tun. Es ist einfach ihr Leben und so ist es eben. Sie kennen es nicht anders.
Die Worte, mit denen Tom schließlich seinen Gedanken Ausdruck verleiht, bringen dann auch den gegnerischen Söldner zum Nachdenken. Somit wird Tom zum tragischen Helden dieser fiktiven Kriegsdarstellung und bringt sicherlich auch den Zuschauer zum nachdenken.
Edward Teller sagte einmal:
Der Krieg ist nicht undenkbar, aber es ist unangenehm, an ihn zu denken. Deshalb gibt es nur einen Weg, ihn zu vermeiden: Man muß ständig an ihn denken.






















































































